Die anderen

Die anderen, das sind die, die es eben nicht so machen wie wir es für richtig halten. Das ist ja an sich ja überhaupt kein Problem. Würde man es nicht ständig auf die Nase gebunden bekommen..

Wir sind intolerant geworden und zwar mehr, als ich mir je zugetraut hätte. Und wer ist Schuld? Natürlich die anderen, eben die anderen Eltern.

Gerade eben, da schlendert man friedlich über den Markt, winkt Hinz und Kunz, grüßt und nickt. Die Welt scheint in Ordnung. Und dann treffen wir sie, jene Spezies, die alles dafür gibt nicht nur ihre eigenen Kinder zu erziehen, sondern sich – sie seien gepriesen- auch noch um solch arme Kinderlein wie unseres sorgt. Da gibt es schnell mal ein paar Erziehungs-Tipps mit auf den Weg..

Und so ist es: Wir treffen Luca und Marie. Die beiden und ihr kleiner Rotzbengel scheinen eine wirklich perfekte Familie zu sein. Der Schein mag trügen. Aber wie auch immer. Man könnte sich natürlich – wie es eben so ist, wenn man sich doch eigentlich gar nicht leiden kann, aber eben doch ziemlich nett ist – über das Wetter oder irgendeinen anderen sinnlosen Kram und bündig austauschen, um dann brav weiterzuschlendern..

Aber nein: halt! Da war ja was! Und da ist sie ganz schnell wieder, eine dieser Fragen, mit der man versucht doch noch schnell einzuschieben, wie toll man doch sein Kind im Griff hat.

„Und? Schläft eure schon durch?“

Tja, es ist mal so und mal so. Manchmal schläft sie wie ein kleiner Engel und ein anderes Mal wird aus unserer Tochter nachts ein kleiner Terrorzwerg. Keine große Sache.

Aber schon bevor wir antworten können wirft Marie ein: „Also unser Ben..“

Jaja, euer Ben, was interessiert uns euer Ben. Wir wissen nun, dass Ben ein ganz prima Schläfer ist, dass der süße kleine Bengel mit dem Ralph Lauren-Shirt ganz brav seinen Brei essen kann und auch sonst immer nur ein liebenswerter Sonnenschein ist. Komisch nur, dass er während unserer einseitigen Unterhaltung und ganz ohne Reaktion seiner Eltern die Blumen der Marktfrau zerrupft.

Also wir – so lasse ich es mir nicht nehmen – stolz erwähnen, dass unsere Kleine noch bei Mama und Papa im Bett schlafen darf und das ganz wunderbar für uns alle ist, entgleitet unserem Gegenüber fast das Gesicht. Wie könne das nur sein, mit acht Monaten. Ein Kind gehört doch schließlich in sein eigenes Zimmer. Nun werden wir sicher ein ganz furchtbares Kind groß ziehen, das sich niemals von Mutter und Vater trennen kann und natürlich auch noch in der Pubertät in unserer Mitte schlummern muss.

Wir verabschieden uns aufgesetzt freundlich und ziehen schmunzelnd von dannen..

Was Luca und Marie wohl demnächst in ihrer elitären Rotwein-Runde zum Besten geben!?

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